Extremsituation: Sie haben richtig entschieden!

Mittwoch, 30. Mai 2018 - Digitalisierung im Bildungsbereich

Mai 30

Nicht immer gestaltet sich der Schulalltag so, wie einst im Bilderbuch beschrieben. Lehrer stoßen immer wieder auf Situationen, für die es im Lehrbuch eben keine passende Vorgehensweise niedergeschrieben gibt. Extremsituationen, in denen Ruhe und Übersicht gewinnen.

Blicken wir doch allesamt einmal auf unsere Schulzeit zurück. Jedem von uns werden mit Sicherheit ein paar Namen im Gedächtnis hängen geblieben sein. Namen von Schülern, die uns während unserer Schulzeit sehr positiv in Erinnerung geblieben sind. Aber auch Namen von Schülern, mit denen wir weniger erfreuliches verbinden. Kennst du auch diesen einen Schüler, der immer meint gegen dich zu arbeiten? Diesen einen Schüler, der stark polarisierend die Gemeinschaft der Klasse stört? Dieses Beispiel einer Extremsituation ist nur der Beginn von zahlreichen weiteren, denen Lehrer während Ihres Berufslebens gegenüber stehen.

Worauf es in einer Extremsituation ankommt

Zu Beginn: Wie bereits geschildert gibt es keine Antwort A oder B die uns darüber aufklärt, wie wir in außergewöhnlichen Situationen reagieren sollten. Dennoch gibt es einige Anregungen, die dir in besonderen Situationen helfen können.

Wann spricht man von einer „Extremsituation“?

Mit anderen Worten könnte man eine Extremsituation auch als außergewöhnliche, meist sehr belastende Situationen bezeichnen. Natürlich stellt nicht jede außergewöhnliche, belastende Situation für jeden eine Extremsituation dar. Das subjektive Empfinden ist von Individuum zu Individuum sehr verschieden geprägt. Dennoch erlaube ich es mir, in Bezug auf den Lehrerberuf, einige außergewöhnliche Situationen herauszustellen (auch wenn sie nicht für jeden gleich außergewöhnlich und speziell sind!). Ich möchte dir Wege aufzuzeigen, wie du in speziellen Situationen reagieren kannst.

Erstmal 1 1/2 Stunden schlafen, um alles zu verarbeiten

Der eine Schüler, der stark polarisierend auf seine Mitschüler wirkt. Er trägt dazu bei nicht nur den Unterricht massiv zu stören, sondern auch die Gemeinschaft der Klasse zu spalten und die Geduld und Nerven der Lehrkräfte auf die Probe zu stellen. Ein Teil der Klasse unterstützt ihn in seinem Verhalten, bestärkt ihn und nimmt sich ebenfalls dem störenden Verhalten an. Der Rest der Klasse ist genervt. Vielleicht sogar eingeschüchtert von dem Verhalten des Schülers und seinen Sympathisanten. In der Mitte des Brennpunkts stehen die Lehrkräfte, die eine solche Situation meistern müssen.

Wie reagiert ein Lehrer in dieser Situation?
Eine Situation, die meist kein Sprint sondern ein Marathon ist?

Wenn du dich in einer vergleichbaren Situation befindest, dann solltest du dich zunächst bei deinen Kollegen über deine Sicht des Verhaltens des Schülers erkundigen. Haben deine Kollegen ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Schüler? Oftmals beginnt die Suche bei einem verhaltensauffälligen Schüler nicht bei einem selbst, sondern bei den Wurzeln des Schülers. Aus was für Verhältnissen kommt der Schüler? Wie wird er zuhause behandelt und wie schätzt du seine Beziehung zu seiner Familie ein? Verhaltensauffällige Schüler erfahren in vielen Fällen Zuhause einem atypischen Umgang, der den Bedürfnissen des Kindes nicht gerecht wird. Leider fällt die Kompensation des untypischen Umgangs in den Schulalltag.

Darüber hinaus solltest du mögliche Lernschwächen, ADHS und soziale Störungen bedenken. Hierzu ist es hilfreich einen engen Kontakt mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten zu führen. Gemeinsam könnt ihr das Verhalten des Kindes reflektieren und Hinweise auf eine der genannten Verhaltensauffälligkeiten erörtern.

Ansätze die dir helfen können die Situation zu mildern

Solltest du eine Verhaltensauffälligkeit für wahrscheinlich halten, so gibt es verschiedene Ansätze, wie du in erster Linie dem Kind helfen, aber auch die Stimmung innerhalb der Klasse verbessern kannst.

1. Das wichtigste zuerst: Motivation statt Strafe! Diese Kinder erfahren sehr viel Kritik und Ablehnung durch Ihr Verhalten. Strafen fördern ihre negative Grundhaltung und führen somit nicht zu einer Verbesserung des Problems. Durch Motivation und Lob erfahren diese Schüler, dass nicht alles schlecht ist was sie tun und sagen. Natürlich kannst du keine 180 Grad Wandlung innerhalb weniger Tage erwarten. Dies ist ein „Marathon“. Gib dem Schüler Zeit. Es wird sich rentieren.

2. Entwickle gemeinsame Regeln mit dem Schüler. Prüfe gegenseitige Erwartungen und sprich über Konsequenzen bei Missachtungen. Durch das Einbeziehen des Schülers fühlt er sich verstanden und wahrgenommen. Die Einhaltung der Regeln wird ihm leichter fallen, als wenn man ihm direkt Regeln ohne Einbezug vorsetzt.

3. Aufbau eines Klassenmanagements und ein angemessenes Sozialverhalten. Hierzu gehört es, das eigene Verhalten und das der Schüler zu beobachten und Unterrichtsmethoden anzupassen. Reflexionsgespräche innerhalb der Klasse können hierbei unterstützend wirken.

Tipp

Behalte auch lehrkraftübergreifend den Überblick über Verhaltensauffälligkeiten der Schüler. TEGO.CLASS ermöglicht es dir über die Notizfunktion positive und neutrale Notizen einzutragen und Schülerverstöße mit gelben, gelb-/roten oder roten Karten festzuhalten. Alle eingetragenen Notizen sind auf der Profilwand jedes Schülers aufgelistet, sodass alle Daten z.B. für Elterngespräche ausgewertet werden können.

Wenn die Extremsituation zum medizinischen Notfall wird

Nicht nur auffälliges Verhalten gehört zu den Extremsituationen, mit denen Lehrer während Ihres Berufslebens konfrontiert werden. Die Wahrscheinlichkeit einen „echten“ Notfall während des Unterrichts zu erleben ist geringer, als die eines auffälligen Schülers. Dennoch gehören auch Notfälle zu den besonderen und durchaus belastenden Situationen des Schulalltags. Hierzu zählen zum Beispiel der plötzliche Bewusstseinsverlust eines Schülers, ein Zuckerschock oder auch der Knochenbruch. Wie reagiere ich als Lehrkraft, wenn ein solcher Notfall während meines Unterrichts auftritt, oder ich einen solchen auf dem Schulhof beobachte?

Aufklärung und Ruhe

Zunächst solltest du zu Beginn jedes Schuljahres mit den Kindern und/oder Eltern über bereits bestehende Krankheiten sprechen. Empfehlenswert ist es, im weiteren Schritt, das Kollegium über die Krankheitsbilder zu unterrichten und gegebenenfalls gemeinsam mit den Eltern zu besprechen, wie in den entsprechenden Situationen gehandelt werden soll. Entsteht dennoch einmal ein Notfall, bei dem deine Grundkenntnisse nicht ausreichen oder du dich unsicher fühlst, so bewahre zunächst stets Geduld. Gehe geordnet in der ersten Hilfe vor. Vertraue auf dich. Du beherrschst die Grundlagen der Ersten Hilfe und kannst diese auch gezielt anwenden!

Tipp

Mit TEGO.CLASS kannst du Informationen zu den einzelnen Schülern hinzufügen, die im jeweiligen Schülerprofil angezeigt werden. So können Kontaktadressen der Eltern oder bestehende Krankheiten jedes Schülers schnell abgerufen werden.

Die Erste Hilfe endet in einem solchen Notfall jedoch nicht mit der Übergabe des Kindes in medizinische Obhut, sondern auch die Klassenkameraden benötigen nun eine „Erste Hilfe“, in Form von seelischer Betreuung. Beruhige die Schüler, indem du ihnen erklärst, was passiert ist und was nun weiter passiert. Motiviere im gleichen Schritt die Kindern, indem du ihnen erörterst, dass dies nun nicht direkt in der nächsten Minute wieder passieren wird und schon gar nicht jedem von ihnen widerfahren wird.

Ich könnte noch eine Vielzahl von Extremsituationen hier anführen. Nicht immer muss es sein, dass Lehrkräfte in Extremsituationen gelangen. Nichtsdestotrotz ist es immer sinnvoll, sich mit diesem Thema auseinander zu setzten und für sich Wege zu finden, sie zu meistern. Es gibt kein patentiertes Rezept für das Meistern von solchen Herausforderungen. Aber es gibt Ansätze, die in diesen Situationen hilfreich sein können. Sprich im Kollegium über Extremsituationen und Erfahrungen. Was haben deine Kollegen erlebt? Wie haben sie gehandelt? Würdest du ebenfalls so handeln oder hast du Verbesserungsvorschläge?

Christina Dyck

Christina ist unser kreativer Kopf im Büro. Sie hat Mediendesign studiert (B.A) und anschließend absolvierte Sie ihren Master of Arts in Gestaltung mit den Schwerpunkten Kommunikationsdesign und Grafikdesign.

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