G8, G9 oder beides – Chaos im deutschen Bildungssystem

Donnerstag, 13. Dezember 2018 - Digitalisierung im Bildungsbereich

Dez 13

Abitur nach zwölf oder 13 Jahren? Das Hin und Her haben Mitglieder unseres TEGO.CLASS – Teams hautnah miterlebt und können Einiges darüber berichten.

Christina, Grafikdesignerin bei TEGO.CLASS, war Schülerin im letzten G9-Jahrgangs in Niedersachsen, Simone, Online Marketing Managerin, Schülerin im ersten G8-Jahrgangs in Bayern. Unsere Praktikantin Lena hat diesen Sommer im vorletzten G8-Jahrgang in Niedersachsen ihr Abitur gemacht. So haben wir das Hin und Her im deutschen Bildungssystem alle hautnah miterlebt. Das Thema ist und bleibt aktuell: In diesem Schuljahr beginnt in Bayern die Rückkehr zu G8, in Niedersachsen wird sie mit dem letzten G8 – Jahrgang, der die Schule 2019 verlassen wird, abgeschlossen sein.

Lena und Simone diskutieren G8 und G9 bei TEGO.CLASS

Wechsel von G9 auf G8

Was steckt hinter dem Durcheinander? Die ersten Bundesländer wechselten 2001 (Saarland) und 2002 (Hamburg) zum Abitur nach nur 12 Jahren. Es folgten 2004 unter anderem Niedersachsen und Bayern, Bremen und Baden-Württemberg. In Sachsen und Thüringen war die Form des G8 altbewährt – sie ließen sich nicht beirren und blieben nach wie vor beim achtjährigen Gymnasium.

Die Länder, die vorher vor allem aus historischen Gründen am G9 festhielten, müssen gute Gründe gehabt haben, das heute oft als „Turbo-Abi“ verschriene G8 so Hals über Kopf einzuführen. Ein Gedanke dabei war, dass akademische Berufseinsteiger in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich alt waren. Man wollte also im Hinblick auf den demographischen Wandel erreichen, dass junge Erwachsene früher ins Berufsleben starten. Da unter anderem in den neuen Bundesländern gute Erfahrungen mit dem G8 gemacht wurden, hatte man keinen Zweifel daran, dass der Plan aufgehen sollte.

Kritik am „Turbo-Abi“

Mit dem schnellen Umstieg von G9 auf G8 entbrannten jedoch heftige Diskussionen. Viele Schüler und Eltern plädierten gegen die verkürzte Schulzeit, was zu kuriosen Ausnahmeregelungen und, wie in Niedersachsen und Bayern, zur vollständigen Rückkehr zu G9 führte.

Das sogenannte Turbo-Abi wurde unter anderem auch aufgrund der rapiden, fast überstürzten Umverteilung des Lehrplans kritisiert. Statt den Lehrplan zu schärfen, wurden die Inhalte aus 13 Jahren auf zwölf Jahre verteilt. Außerschulische Aktivitäten, Auslandsaufenthalte und die Förderung von leistungsschwächeren Schülern war aufgrund des geballten Stundenaufkommens schwer vereinbar.

Der richtige Weg muss nicht immer derselbe sein

Wie kann es sein, dass das G8 in einigen Bundesländern so dramatisch gescheitert ist, obwohl ein Grund für die Einführung ausgerechnet die gute Erfahrung anderer Länder mit demselben war?

Im Grunde unterscheiden sich die beiden Systeme wenig, außer dass ein Jahr mehr Schule selbstverständlich die Möglichkeit bietet, mehr Lernstoff zu vermitteln. Das Abitur nach zwölf Jahren ist keinesfalls Auslaufmodell, was man nach der Rückkehr Niedersachsens und Bayerns denken könnte. In Sachsen und Thüringen besteht es unverändert seit 1949, in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seit 2003, 2004 und 2006. In Hessen herrscht seit 2013 Wahlfreiheit. So langsam scheint jedes Bundesland für sich die beste Lösung gefunden zu haben und somit könnte vielleicht endlich einmal Ruhe im deutschen Bildungssystem einkehren.

Simone Keil

Simone ist unsere Stimmungskanone und sorgt dafür, dass jede Schule und jede Lehrkraft schon einmal von TEGO.CLASS gehört hat. Sie hat Medienmanagement (B. A.) und Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing (M. A.) studiert.

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.