Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei?

Donnerstag, 03. Januar 2019 - Digitalisierung im Bildungsbereich

Jan 03

Lehrer sind faul und haben mit 12 Wochen zu viel Urlaub im Jahr – das Klischee hält sich beständig. Lehrer hingegen protestieren: es fehlt die Anerkennung für ihren Job, sie arbeiten zu viel und haben kaum Freizeit. Gegensätzlicher könnten die Aussagen nicht sein. Doch welche Seite hat nun Recht? Wir gehen der Sache auf den Grund. Welche Behauptung ist korrekt und woher kommen die großen Unterschiede in der Wahrnehmung des Lehrerberufs?

Das Klischee spielt mit der vermuteten Work-Life-Balance von Lehrkräften. Tatsächlich kann der Eindruck von zu viel Freizeit entstehen, wenn man die als Lehrkraft tätige Nachbarin nachmittags im Garten sieht, wenn andere arbeiten. Hinzu kommen noch die Wochenenden und Ferien, wo auch keine Schule stattfindet. Da kommt einiges an Freizeit zusammen! Ist das Jammern der Lehrer über ihren stressigen Beruf also unbegründet?

Diese einfache Rechnung geht leider nicht auf. Wie viel Lehrkräfte wirklich arbeiten, hängt natürlich auch von jedem Einzelnen individuell ab. Die reine Unterrichtszeit für eine Lehrerstelle liegt je nach Bundesland zwischen 23 und 28 Stunden.[1] Bezahlt werden meist nur diese festgelegten Unterrichtsstunden pro Woche, nicht aber die gesamte Arbeitszeit, die beispielsweise für die Unterrichtsvorbereitung hinzukommt.

Lehreralltag findet nicht nur vor der Klasse statt

Laut einer Statistik der OECD arbeiten Lehrer im Schnitt 1793 Stunden im Jahr.[2] Ein Angestellter mit einer 40 Stunden Woche kommt im Jahr etwa auf den gleichen Durchschnitt. Lehrer arbeiten also nicht unbedingt weniger als Arbeitnehmer in anderen Berufen. Der Unterschied des Lehrerberufs ist, dass ihr Tagesablauf sich nicht nur aus Unterricht und Freizeit zusammensetzt. Von den rund 1800 Stunden im Jahr verbringt ein Lehrer nur 700-800 Stunden vor der Klasse. Die restlichen Stunden verteilen sich auf Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elternabende und Konferenzen.

Unterrichtszeit vor der Klasse

Um einen besseren Überblick über eine Lehrerwoche zu bekommen, wurden mehrere Lehrkräfte gebeten, ihre Woche in Form eines Stundenplanes zu protokollieren.[3] Eine „typische Lehrerwoche“ gibt es jedoch nicht. Ein solcher Stundenplan zeigt nur einen zufälligen Ausschnitt, da der Alltag sehr abwechslungsreich ist, je nachdem, ob Klausuren vorbereitet oder korrigiert werden müssen, oder Elterngespräche, Schulkonferenzen oder Klassenfahrten anstehen.

Vergleich Arbeitszeit Lehrkraft Angestellter

Es fällt auf, dass die addierte Stundenzahl vergleichsweise ähnlich ist, der eindeutigste Unterschied allerdings liegt in der zeitlichen Verteilung. Die Arbeitsstruktur ist von vielen Freistunden durchbrochen.[4] Dies erklärt auch, warum man die Nachbarin immer im Garten sieht. Die langen Abende und durchgearbeiteten Wochenenden sieht man allerdings im Alltag nicht.

Gleiches Arbeitspensum bei unterschiedlicher Arbeitseinteilung.

Ein Großteil der Arbeit einer Lehrkraft läuft also im Hintergrund, zu Hause am eigenen Arbeitsplatz ab. Der Vorteil Flexibilität ist damit zugleich auch der größte Nachteil, denn es gibt keine klare Struktur und keine festen Zeiten, die für Freizeit geblockt sind. Die dadurch entstehende Dauerbelastung erklärt unter anderem auch die hohe Anfälligkeit von Lehrkräften für Burn-outs.[5]

Die ständige Konfrontation mit der Behauptung Lehrer arbeiten nicht genug sorgt also begründeter Weise für Unmut. Diese Unzufriedenheit hängt vor allem mit zwei Aspekten zusammen. Gerade durch die genannten Klischees und das fehlende Bewusstsein für den Umfang des Lehrerberufes fehlt es an Anerkennung. Der andere Aspekt ist, dass zunehmend Zeit für administrativen Aufwand eingerechnet werden muss und so keine Zeit für die schönen Dinge des Lehreralltags, wie Ausflüge, Experimente oder thematische Vertiefungen, bleibt.

Problem 1: Fehlende Anerkennung

Bei einer Umfrage dazu, was wohl die größten Herausforderungen im Lehrerberuf sind, wurden die Antworten von Lehrern denen von Eltern schulpflichtiger Kinder gegenübergestellt. Die Argumente „zu große Klassen“ und „zunehmend schlechter erzogene Kinder“ wurden von Lehrern und Eltern gleichermaßen als Herausforderung eingeschätzt. Die gravierendste Diskrepanz zeigt sich allerdings im Punkt „großer Zeitaufwand für Verwaltungsaufgaben“. 60% aller befragten Lehrkräfte stehen hier nur 24% der Eltern gegenüber. Der hohe administrative Verwaltungsaufwand ist vielen Eltern schlichtweg gar nicht bewusst. So kann dieser Aufgabe auch nicht die nötige Wertschätzung entgegengebracht werden.[6]

Besondere Herausforderungen im Lehrberuf

Problem 2: Hoher Verwaltungsaufwand

Worin begründet sich der hohe Verwaltungsaufwand? Die zunehmende Forderung nach mehr Transparenz verlangt nach einer immer größeren Datenerhebung. Dies ist kein Phänomen, das sich nur auf Lehrkräfte beschränkt, auch z.B. Ärzte und Pflegepersonal sehen sich mit mehr und mehr administrativen Dokumentationspflichten konfrontiert.[7]

Zu den zu erfassenden Schülerdaten zählen unter anderem die Fehlzeiten, Hausaufgaben, Bemerkungen aus einzelnen Schulstunden, Mitarbeitsnoten und schriftliche Noten, etc.. Der Anteil der Daten wächst beständig und ist mit bestehenden Methoden nur schwer zu erfassen und überblicken.

Zufriedenheit mit administrativen Aufgaben

Veränderungen ziehen weitere Veränderungen mit sich

Das Berufsfeld und die Anforderungen an Lehrkräfte verändern sich also und beinhalten mehr administrative Verwaltungsaufgaben. Diese neuen Anforderungen bedürfen neuen Arbeitsweisen. Alte Strukturen müssen optimiert werden. Die Vereinfachung der Datenerfassung und der Auswertung dieser Daten ist ein möglicher Ansatzpunkt.

Die administrativen Aufgaben können damit nicht vermindert werden, aber beträchtlich vereinfacht und beschleunigt. Es ist ein Ansatzpunkt, um der Unzufriedenheit der Lehrer entgegen zu wirken und ihnen wieder mehr Zeit für die schönen Dinge im Lehrerberuf zu ermöglichen.

Mit der Lehrersoftware TEGO.CLASS können sämtliche Schülerdaten von Fehlzeiten über Hausaufgaben bis hin zu Noten einfach und schnell dokumentiert und in automatischen Statistiken ausgewertet werden. TEGO.CLASS ist mehr als ein digitales Klassenbuch und deckt alles von Planung, Dokumentation bis Auswertung ab.

Quellen
[1] https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-deputat-pflichtstunden/4370
[2] https://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/frage-der-woche/oecd-vergleich-wo-arbeiten-lehrer-am-meisten/9125898.html?ticket=ST-1529518-OrVGfHmNxnmK4g7c3g5w-ap2
[3] https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-06/lehrer-stundenplan-arbeit-stress-ferien-ausgleich-protokoll/seite-2
[4] https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/wie-und-wann-lehrer-arbeiten/4485
[5] https://www.welt.de/politik/deutschland/article135197907/Jeder-dritte-Lehrer-klagt-ueber-Burn-out.html
[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/184289/umfrage/besondere-herausforderungen-des-lehrerberufs-in-deutschland/
[7] https://www.srf.ch/news/schweiz/100-lehrer-kaum-mehr-moeglich

Christina Dyck

Christina ist unser kreativer Kopf im Büro. Sie hat Mediendesign studiert (B.A) und anschließend absolvierte Sie ihren Master of Arts in Gestaltung mit den Schwerpunkten Kommunikationsdesign und Grafikdesign.

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