Warum der Digitalpakt alleine nicht ausreicht

Mittwoch, 20. März 2019 - Digitalisierung im Bildungsbereich

Mrz 20

Die Diskussion um das deutsche Bildungssystem wird konstant von einer Kritik überschattet: die Schulen in Deutschland haben „einen immensen Aufholbedarf bei der digitalen Ausstattung, sowohl mit technischer Infrastruktur und Geräten als auch mit pädagogischen Konzepten für die Bildung in der digitalen Welt“.[i] So äußerte sich auch Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des didacta Verbandes.

Auf der didacta 2019 in Köln näherte man sich dieser Kritik vor allem seitens innovativer Konzepte und neuer Technologien an, während man sich zeitgleich in Berlin beim Vermittlungsausschuss über die mangelhafte Infrastruktur beriet. Mitglieder aus Bundesrat und Bundestag verhandelten über den Digitalpakt zur Unterstützung der Digitalisierung der Schulen.

Doch was genau beschreibt der Digitalpakt und welche konkreten Maßnahmen bedeutet das für die Schulen? Wir geben euch einen Überblick!

Digitalpakt und Digitalisierung im Bildungswesen erläutert von TEGO.CLASS.

Mit der Verabschiedung des Digitalpaktes konnte sich darauf geeinigt werden, dass der Bund künftig die Ausstattung von Schulen mitfinanziert, obwohl dies sonst Sache der Länder ist. Aus diesem Grund muss auch das Grundgesetz dahingehend angepasst werden. Wenn der Bundesrat dem Digitalpakt und allen verbundenen Regelungen im März zustimmt, bedeutet das eine Finanzspritze von fünf Millionen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre, dies entspricht etwa 137.000 Euro für jede deutsche Schule.[ii]

Streitpunkte zwischen Bund und Ländern

Warum hat die Einigung aber so lange gedauert? Der Bund möchte zusätzlich Geld ausgeben, was hatten die Länder dem entgegenzustellen?

Hauptstreitpunkt ist die nötige Grundgesetzänderung, die verbunden ist mit der Befürchtung, dass der Bund einen zu großen Einfluss auf die Bildungspolitik der Länder hat. Außerdem ist die Art der Finanzierung umstritten. Teilt sie sich jetzt noch in 90:10 zwischen Bund und Ländern, soll ab 2020 eine 50:50 Finanzierung gelten, die sich ärmere Länder nicht leisten können und folglich keine Unterstützung in Anspruch nehmen könnten. Der Bund hingegen will verhindern, dass die Gelder von den Ländern für andere Zwecke als den vereinbarten ausgegeben werden könnten oder die Länder kein eigenes Geld mehr investieren.[iii]

Ein gemeinsames Ziel verbindet

Über diese Streitigkeiten wird leicht das eigentlich gemeinsame Ziel von Bund und Ländern vergessen: der Ausbau technischer Infrastruktur und pädagogischer Konzepte der Schulen, die den Schülern zu Gute kommt.

In Zukunft wird der Bund vor allem für den Aufbau der digitalen Infrastruktur verantwortlich sein. Lehrer, Eltern und Schüler können auf neue Endgeräte wie Computer, Tablets, Smartboards und besseres Internet hoffen. [iv] 

Digitalpakt und Digitalisierung von TEGO.CLASS erläutert.

Die Länder übernehmen den Betrieb und die Wartung. Sie stehen außerdem in der Verantwortung für die (Weiter-) Qualifizierung der Lehrkräfte und eine Anpassung der pädagogischen Konzepte an ein modernes Lernumfeld. Als konkreten Schritt können Schulen Fördermittel aus dem Digitalpakt Schule beantragen.[v] „Die Länder werden Anlaufstellen schaffen, bei denen die Schulträger ihre digitalen Konzepte einreichen können.“ sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.[vi]

Bessere Technik bedeutet nicht bessere Bildung

Kritiker des Digitalpaktes sind skeptisch, ob das der richtige Ansatz für das Problem des deutschen Bildungssystems ist. Eine bessere digitale Infrastruktur hilft nicht, wenn man nicht weiß, wie man Kindern Bildung vermittelt.[vii] Doch analoge Experimente, haptische Erfahrungen und der Austausch zwischen Mitschülern und Lehrkräften soll nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. Lernen ist und wird immer ein sozialer Prozess sein.[viii] Die finanzielle Unterstützung des Bundes wird zudem durch angepasste pädagogische Methoden ergänzt.

Bessere Technik bedeutet nicht automatisch bessere Bildung, sie bedeutet aber mehr Möglichkeiten, um Bildung in einer modernen Welt zu vermitteln.

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Christina Dyck

Christina ist unser kreativer Kopf im Büro. Sie hat Mediendesign studiert (B.A) und anschließend absolvierte Sie ihren Master of Arts in Gestaltung mit den Schwerpunkten Kommunikationsdesign und Grafikdesign.

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